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// Brigitte Werneburg, taz, 14.3.2005
Finger auf die Kunst - Das Portr├Ąt "This Not That" zeichnet die Konturen des Konzeptk├╝nstlers John Baldessari nach.

Die Eingangsszene l├Ąsst das Herz jedes Ikonoklasten h├Âher schlagen: Der K├╝nstler, jung und ungest├╝m, tritt seine Leinw├Ąnde ein, trampelt sie kaputt, hackt sie zu M├╝ll. Doch wenige Schnitte sp├Ąter sind sie wieder da, gr├Â├čer, farbenpr├Ąchtiger und teurer denn je: Museumskunst par excellence. Allerdings, gemalt sind sie nicht. Ihre Motive, schwarzwei├če Filmstills und farbige Eingriffe - Konturen, die in Blau, Rot, Gelb, Gr├╝n, Violett oder Orange nachgezeichnet sind oder mit diesen Prim├Ąr- und Sekund├Ąrfarben ausgef├╝llte Figuren - sind auf Kunststoffplatten gedruckt und reliefartig ├╝bereinander montiert. Sympathischerweise ist John Baldessari, nun alt und arriviert, selbst ├╝ber ihre Monumentalit├Ąt erstaunt, die sie an den W├Ąnden der Deutschen Guggenheim in Berlin haben, f├╝r die er sie entwarf.

Die Serie "Somewhere Between Almost Right and Not Quite (With Orange)" besch├Ąftigt sich mit dem Ph├Ąnomen "Zwischenraum". Im Zwischenraum zwischen der Bildzerst├Ârung von 1967 und der Berliner Ausstellung 2004 siedelt auch Jan Schmidt-Garre seine Dokumentation "This not that: John Baldessari - Pionier der Konzeptkunst" an. Das hei├čt, auch sie markiert - mit K├╝nstlerinterviews, Kritikerkommentaren und dem Aufsuchen alter Schaupl├Ątze - Konturen seines Werks, konzentriert sich dazwischen auf eine ganz bestimmte Werkgruppe und entwickelt so zwanglos Baldessaris Kurs in die Konzeptkunst. Ein eigenst├Ąndiger Weg von der West Coast, also von Kalifornien aus, wo Baldessari 1931 in National City, geboren wurde, parallel zur New Yorker Fassung Laurence Weiners. Aus dieser Verortung heraus bleibt die visuelle, malerische Spur in Baldessaris Werk vielleicht deutlicher. Die vorgefundenen Fotografien, gern Filmstills, mit denen er nach ersten Textarbeiten experimentierte, tragen immer ein St├╝ck Hollywood in sein Werk.

Auch hier folgt Schmidt-Garre seinem Protagonisten, mit einer sehr filmischen Reise zu einem der Sonntagsmaler, die f├╝r Baldessaris "Auftragsbilder" (1969) je eine zeigende Hand malten. Denn so definierte der K├╝nstler Al Held die Konzeptkunst: "Sie begn├╝gt sich damit, auf ein Ding zu zeigen." Damit ist es in einer Dokumentation nicht getan, und so kommt Baldessari selbst zu Wort, das gro├če Vergn├╝gen dieser 60 Minuten zur zeitgen├Âssischen Kunst. In seiner lapidaren Redeweise erkl├Ąrt er am besten, dass Auswahl, nicht Kunst, das Entscheidende sei. Und so ist es besonders sch├Ân, wenn er berichtet, erst k├╝rzlich habe ein Museumskurator zu ihm gesagt, seine Bilder fingen langsam an, wie Kunst auszusehen. "Auf lange Sicht", so Baldessari, "kann man einfach nicht gewinnen."